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Kein Grund zur Sorge - der Giftmüll kokelt


Was hier wie Hohn klingt, ist die offenbar ernst und beruhigend gemeinte Mitteilung eines osthessischen Presseorgans. Offenbar war den Redakteuren nicht klar, worum es hier geht, denn tatsächlich gibt es kaum etwas Bersorgniserregenderes als eine "kokelnde" Giftmülldeponie. Noch mehr Sorgen sind allerdings dann angebracht, wenn Betreiber einen solchen Brand verschweigen oder verleugnen und wenn Kontrollbehörden ihre Aufgabe nicht wahrnehmen.

Zwei Ereignisse dürfen in einer Giftmülldeponie keinesfalls eintreten: es darf weder brennen noch darf Wasser eindringen. Beides scheint hier der Fall zu sein, wenn das Regierungspräsidium Kassel richtig zitiert worden ist:

„Wir wissen zwar nicht, was genau dort unten kokelt, noch, wie man es löschen kann, aber die Vorgehensweise von K+S ist vorbildlich“ (…) „Wir vermuten, dass es sich um feste Abfälle handelt, die Magnesium enthalten und aus irgendeinem Grund mit Wasser in Verbindung gekommen sind. Das führt in manchen Fällen zu Verpuffungen oder Bränden. Die Kammer, in dem der Abfall gelagert ist, ist hermetisch verschlossen, Sauerstoffentzug sollte die Glut eigentlich ersticken. Das hat bis jetzt aber nicht funktioniert.“


Der Betreiber einer Giftmülldeponie muss über die nötige Sachkunde und Zuverlässigkeit verfügen, die Behörden müssen ihre Kontrollfunktion wahrnehmen können und wollen. Daran muss schon dann gezweifelt werden, wenn Betreiber und Behörden Unkenntnis vorschützen.

Es gibt gute Gründe, eine Untertagedeponie für gefährliche Abfälle streng zu überwachen. Es muss immer Klarheit darüber bestehen, was eingelagert worden ist und wo der genaue Ort ist. Nur dann kann man wissen, ob jedes Risiko ausgeschaltet ist und welchem Risiko die Brandbekämpfer ausgesetzt sind:

  • Brennender Giftmüll ist nur sehr schwer und unter großer Gefahr zu löschen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Gifte mit den Brandgasen in weit entfernte Grubenbereiche getragen werden und sie unbetretbar machen. Das ist so in der Giftmülldeponie Stocamine am Oberrhein geschehen.
  • Es darf niemals Wasser mit den eingelagerten Stoffen in Berührung kommen. Es können sich dabei sowohl giftige als auch brennbare Gase bilden, die Schlagende Wetter verursachen. Auch hier könnten weite Grubenbereiche unbetretbar werden. Wenn Wasser mit den eingelagerten Stoffen in Berührung gekommen ist, dann hätten sie an dieser Stelle nicht deponiert werden dürfen.
  • Eingelagerte Stoffe können miteinander reagieren und Brände verursachen. Sie müssen deshalb so deponiert werden, dass sie nicht miteinander in Berührung kommen können. Bei solchen Brandursachen besteht die Gefahr, dass die Brände auch durch Luftabschluss nicht zu löschen sind.
Was geschieht, wenn die Überwachung der "besonders überwachungsbedürftigen Abfälle" nicht funktioniert, können Sie hier nachlesen:

In der Kalimine tickt die Zeitbombe:  Badische Zeitung vom 14.12.2016

Elsass: Experten warnen vor Gefahren durch Giftmülldeponie:  Badische Zeitung vom 14.12.2016

Desaster im maroden Stollen - Wohin mit dem hochgiftiger Sondermüll aus Wittelsheim?:  Badische Zeitung vom 14.12.2016

Grundwasserschutz - Giftmüllskandal am Oberrhein - Nach einem Brand ist Frankreichs größte und „sicherste“ Untertagedeponie eine tickende Zeitbombe:   Umwelt Aktuell

Giftmülldeponie Stocamine gefährdet das Grundwasser:  Badische Zeitung vom 14.12.2016

Es gibt Überlegungen, die Gifte aus der "sichersten Untertagedeponie" Stocamine nach Herfa-Neurode zu bringen. Vielen Dank auch.
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