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Technische Entwicklung in der Kali-Industrie: Spanien und Deutschland


Es ist rätselhaft, warum K+S angeblich „180 Mio. Euro“ für eine Anlage ausgeben will, die technisch so weit hinter den Möglichkeiten der Konkurrenten zurück bleibt und die auch hinsichtlich ihrer Größe unzureichend ist. Sie kostet nur Geld, ohne die Probleme des Unternehmens zu lösen. Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum der Bau der „KKF-Anlage“ so lange dauern soll. K+S will weder auf die Vergrößerung seiner Rückstandshalden noch auf den Abstoß von Abwässern verzichten. In Spanien werden die technischen Möglichkeiten genutzt, um den Konflikt mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu vermeiden und die Arbeitsplätze zu sichern.

Spanien: Der „ökologische Fußabdruck“ wird verkleinert

Die Veolia Water Solutions Technologies informiert in einer aktuellen Pressemitteilung über die neue Vakuumkristallisationsanlage für den spanischen Kalihersteller Iberpotash S.A.:

2014 hat Iberpotash mit dem Bau einer ersten Vakuumkristallisationsanlage begonnen. Nach Veolia-Angaben ist dies die erste Anlage, mit der Natriumchlorid und Kaliumchlorid aus den Salzabfällen zurückgewonnen und gereinigt werden können. Die Anlage dient dazu, eine der beiden Rückstandshalden abzubauen, flüssige Produktionsrückstände werden nicht abgestoßen. Der „ökologische Fußabdruck“ des Kaliherstellers Iberpotash wird deutlich verkleinert, insbesondere, wenn in spätestens 20 Jahren keine Haldenlaugen mehr anfallen. Diese Vakuumkristallisationsanlage ist Mitte 2016 fertig gestellt worden und läuft seit Ende 2016 im Regelbetrieb.

Veolia wird für Iberpotash auch noch eine zweite Anlage bauen, die schon 2017 ihren Betrieb aufnehmen soll. Die Aufhaldung von Salzrückständen kann dann völlig eingestellt werden. Ein kürzlich vorgelegter Masterplan sieht den Rückbau der Halden in weniger als 20 Jahren vor.

Mithilfe der Vakuumkristallisationsanlage kann Iberpotash seine Produktion jährlich um 750.000 Tonnen hochreines Kochsalz und um 50.000 Tonnen Weißes Kali erweitern. Daraus lässt sich ein Jahresdurchsatz von deutlich mehr al 2 Mio. Kubikmeter Salzlösung errechnen. Die Vakuumkristallisationsanlage der Iberpotash S.A. Ist also größer als die „KKF-Anlage“ der K+S AG. Die Bauzeit hat weniger als zwei Jahre betragen.

Iberpotash will insgesamt 800 Mio. Euro investieren, davon entfallen ca. 400 Mio. Euro auf die beiden Vakuumkristallisa- tionsanlagen. Iberpotash gelingt es mit diesen Investitionen, den Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu genügen. Die EU-Kommission hatte 2014 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien eingeleitet, weil die Haldenlaugen der Iberpotash S.A. nach Ansicht der Kommission gefährlich für die Umwelt und die menschliche Gesundheit sind.

Deutschland: Vorgetäuschte Wirksamkeit

Schon Anfang 2014 hat die K+S AG den Bau ihrer „KKF-Anlage“ bekannt gegeben, mit der ein kleiner Anteil der Abwässer aufgearbeitet werden soll, nämlich 1,5 Mio. von insgesamt 7 Mio. Kubikmetern. Die Anlage wird nach K+S-Angaben 2018 fertig gestellt.

Die Hersfelder Zeitung berichtet:

Die Hersfelder Zeitung beschränkt sich hier auf die Wiedergabe von Zahlenwerten, die offensichtlich nicht überprüft worden sind. Dabei sind die Zahlen schon auf den ersten Blick unplausibel.

Die Angabe, mit der „KKF-Anlage“ könnten „jährlich 500.000 Tonnen Salzabfälle“ eingespart werden, kann nicht zutreffend sein. Dies würde nämlich voraussetzen, dass die Abwässern enthaltenen Wertstoffe zu ca. 90% verwertet werden. Das ist nicht der Fall. Die KKF-Anlage wird weder das in den Abwässern enthaltene Kochsalz noch das Magnesiumchlorid zurückgewinnen und der Sulfatanteil wird nur zu einem kleinen Teil verwertet.

Die von der Hersfelder Zeitung angegebene Menge von „260.000 Tonnen verkaufsfähigem Kaliumchlorid und Magnesiumsulfat“ würde auch nur auf eine Ausbeute von ca. 50% hinweisen; aber auch hier sind Zweifel angebracht, weil im Bewirtschaftungsplan für Werra und Weser von 260.000 Tonnen Kaliumchlorid und Kaliumsulfat die Rede ist.

Die HNA zitiert am 07.05.2015 die K+S-Mitarbeiterin Dr. Stamatia Katsiaouni, die zu der Funktionsweise der geplanten KKF-Anlage erklärt, dass dort das Natriumchlorid nicht verwertet, sondern abgetrennt und aufgehaldet wird und dass die Restlösung durch Versenkung in den Untergrund und Einleitung in die Werra entsorgt wird.

Es werden also auch von der KKF-Anlage Salzlaugen abgestoßen und das aufgehaldete Natriumchlorid gelangt mit den Haldenlaugen ohnehin wieder in die Werra. Es ist somit reine Fiktion, dass „1.500.000 Kubikmeter salzhaltige Abwässer“ und „500.000 Tonnen Salzabfälle“ durch die KKF-Anlage jährlich eingespart werden können.

Die WWA hat 2015 abgeschätzt, dass mit der KKF-Anlage der Salzabstoß des Unternehmens von ca. 2,45 Mio. Tonnen um vielleicht 5%, höchstens aber um 11% verringert werden könnte:

Das "KKF-Verfahren" der K+S Kali GmbH - Eine Stellungnahme der Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V.

Das reicht nicht aus, um die Qualitätsziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen und damit das K+S-Entsorgungsdesaster zu entschärfen. Von K+S gibt es bislang nur widersprüchliche und unvollständige Aussagen zur Wirksamkeit des KKF-Anlage. Sie sind nicht plausibel und auch nicht überprüfbar. Im Vergleich mit den Vorschlägen der K-UTEC AG und mit der Vakuumkristallisationsanlage der Iberpotash S.A. muss die „KKF-Anlage“ als technisch rückständig beurteilt werden.

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