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Der Ministerpräsident lässt sich desinformieren


Serenissimus weiß jetzt was?

Im Wahlkampf werden auch schläfrige Hunde wach. Der Hessische Ministerpräsident Bouffier hat sich bei K+S darüber informieren lassen, wie die Einhaltung der europäischen Richtlinien umgangen werden soll. Der HNA lässt sich entnehmen, dass der Ministerpräsident mit der bekannten und faktenfreien Informationsstrategie des Unternehmens konfrontiert worden ist:

Werden mit der neuen „KKF-Anlage“ tatsächlich 20% der Abwässer „eingespart“?

Zu dieser Ansicht kann man nur kommen, wenn man die Abwässer vernachlässigt, die von der Anlage selbst erzeugt werden. Aus K+S-Angaben kann man errechnen, dass die Anlage den Salzabstoß nur um 5%, höchstens um 11% verringern kann. Das reicht aber aus, um die Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie weit zu verfehlen.

Kann die „KKF-Anlage“ keine Wertstoffe aus Haldenlaugen gewinnen?

Schon 2010 hat K+S die K-UTEC AG beauftragt, die Wertstoffgewinnung aus Haldenlaugen zu überprüfen. Das Ergebnis war für K+S offenbar so peinlich, dass der damalige Geschäftsführer Diekmann die Studie zunächst geleugnet hat. Selbst aus den vergleichsweise wertstoffarmen Laugen der Halde in Neuhof lassen sich unter wirtschaftlichen Bedingungen die enthaltenen Rohstoffe zurückgewinnen. 2016 hat in Spanien eine Vakuumkristallisationsanlage den Regelbetrieb aufgenommen, mit der die dortigen Salzhalden verwertet werden. 2016 soll eine zweite Anlage fertig gestellt sein. Die „KKF-Anlage“ wäre danach ein technologischer Rückschritt“

KKF - Eine „Anlage, die es sonst nirgendwo gibt“?

Laut HNA ist dies eine eigene Erkenntnis des Ministerpräsidenten. Sie ist fast zutreffend, aber letztlich doch in keiner Weise. Nach unserer Kenntnis hat nur die Vakuumkristallisationsanlage des kanadischen K+SWerks ähnlich schlechte Kennzahlen wie die „KKF-Anlage“, denn auch dort wird nur ein Teil der Wertstoffe gewonnen. Im Österreich, Laos und Spanien sind akuumkristallisationsanlagen in Betrieb, mit denen alle Wertstoffe aus Salzlaugen (Natriumchlorid und Kaliumchlorid) vollständig abgetrennt werden.

Thüringen torpediert den Erfolg des Unternehmens?

Der Ministerpräsident Thüringens hatte mit einem „Kali-Gipfel“ überprüfen lassen, ob das Entsorgungsdesaster der K+S AG mit technischen Verfahren entschärft werden könnte. Dabei haben sich auch Möglichkeiten für Notmaßnahmen ergeben, nämlich die Flutung von Bergwerken in Thüringen mit Abwässern aus dem Werra-Fuldarevier. Ohne diese Möglichkeit hätte das Werk Werra den Betrieb wieder zurückfahren müssen, weil die traditionell genutzten Entsorgungswege durch eigene Schuld verstellt sind.

Dass mit den technischen Fortschritt der Erfolg eines Unternehmens torpediert wird, könnte nur dann gelten, wenn ein Unternehmen sich dem technischen Fortschritt verweigert. Für die K+S AG träfe das ja zu. Die technischen Möglichkeiten für eine abstoßfreie Produktion liegen vor und sie sind erprobt. Wenn Herr Bouffier seinem Kollegen in Erfurt die Schuld für das K+S-Entsorgungsdilemma zuschieben möchte, dann muss man ihm mit seinen eigenen Worten entgegnen, die auch von der HNA zitiert werden: „Bei ideologischen Gründen bleibt die Vernunft auf der Strecke“. Bouffier verbessert damit weder seine eigene Glaubwürdigkeit noch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Der Ministerpräsident kann was erklären

Die HNA zitiert den Ministerpräsidenten weiter mit der Aussage „nach meinem Besuch kann ich jetzt besser erklären, warum man nicht mehr Abwasser durch die Anlage jagen kann.“ Das ist eine erstaunliche Erkenntnis. Was könnte wohl der Grund sein? Rohr zu klein? Wir haben immer gedacht, mann könne Anlage nach dem Stand der Technik und in ausreicheder Größe bauen. Wir sind gespannt, vielleicht möchte Herr Bouffier seine frisch gewonnene Weisheit nicht für sich behalten und lässt uns teilhaben.



Dr. Walter Hölzel
Werr-Weser-Anrainerkonferenz e.V.

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